18. Juni 2021
Vor Anker

Bevor es richtig losgeht, fahre ich mit meinen Kindern in eine kleine Bucht der Flensburger Innenförde. Bevor es in den ersten Hafen geht, wollen wir für ein paar Stunden dort ankern. Unter anderem, weil ich es üben muss. Aber auch, damit wir bei dem heißen Wetter nicht zu lange unterwegs sind. Meine zwei Jüngeren (fast 13+17), die ich nicht den ganzen Sommer über alleine zu Hause lassen kann, können dem Segeln nicht wirklich etwas abgewinnen und sind nur gezwungermaßen dabei. Kompromisse sind in diesem Jahr unumgänglich. Es wäre auch zu einfach, wenn man als alleinerziehende Mutter sein Leben eigenständig leben und bestimmen könnte.

Das Lot zeigt nur noch 90 cm unter dem Kiel. Eine Wassertiefe von ungefähr 2,30 Meter also.

Geringe Tiefe

Der Anker ist ausgebracht. Der Wind treibt mich rückwärts. Mit einem kurzem Schub helfe ich kurz nach. Soweit die Theorie. Der Anker sollte halten. Nichts vibriert, nichts fühlt sich komisch an. Weniger wie einen Meter unter dem Kiel auf dem Lot zu sehen, ist mir dennoch nicht vertraut. Wieder und wieder kontrolliere ich meine Position und checke die Tiefe. Alles scheint in Ordnung und langsam ich werde ruhiger.

Ankerball

Nachdem auch der Ankerball ordnungsgemäß hängt, genieße ich erst einmal die Aussicht. Hier ist es still. Keine Menschen um mich herum. Nur Landschaft. Natur. Vor einiger Zeit waren wir hier schon mal. Beim ersten Ankerversuch mit meinem Ältesten. Heute ist er mit seinem eigenen Boot, Lille Bjørn, nur paar Meter entfernt und übt ebenfalls das alleinige Ankern.

Ruhe

Lennart pumpt währenddessen das SUP auf Findus‘ Bug auf. Das passt gerade so. Kleiner dürfte mein Schiff allerdings nicht sein. Der erste Streit zwischen den Geschwistern bricht vom Zaun. Emma will nicht einsehen, dass sie, da sie mitgeholfen hat, auch nicht als erste dran ist. Beleidigt verzieht sie sich unter Deck.

Tolle Farben

Ich mache es mir Cockpit bequem und genieße die Sonne, während Lennart zu seinem Bruder paddelt. Für einen kurzen Moment scheint die Welt in Ordnung. Für einen kurzen Moment schöpfe ich Hoffnung auf Erholung.

Meine Söhne

Doch dieser Moment dauert nur kurz, denn Madame muss diese kleine Idylle direkt wieder zerschlagen. Mit Sätzen wie: „Ich will nach Hause. Ich habe Lust. Ich finde das Boot scheiße. Lass mich in ruhe!“ provoziert sie bis auf’s Äußere und zeigt mir damit, welche Aufgabe ich eigentlich zu erledigen hätte. Erziehen, statt mich selbst endlich finden und verwirklichen steht auf dem Plan.

Diskussionen, Frechheit und ihr Ton vermiesen allen die Stimmung. Es wird anstrengend werden. Keine Frage.

Meine Tochter

Ich hingegen merke, dass ich meine innere Mitte einfach noch nicht gefunden habe. Wanke in Gedanken hin und her und stelle mir selbst Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Jemand sagte neulich mal zu mir: „Das ist dein Leben. Da kannst du dich auf den Kopf stellen. Wir werden nicht eines Tages aufwachen und jemand anders sein.“ Ich möchte gar nicht jemand sein. Einfach nur ich.

Auch auf dem SUP fehlt mit das Gleichgewicht. Das Teil ist mir einfach zu wackelig. Hinstellen geht schon mal gar nicht. Das Wasser ist voller Quallen, hier und da auch mal eine Feuerqualle. Reinfallen möchte ich da unter den Umständen nicht und gebe das SUP relativ schnell wieder an meinen Sohn ab. Heute ist nicht alle Tage. Ich werde es wieder probieren.

Ich und das SUP

Es wird spät. Wir wollen noch den nächsten Hafen erreichen und Wolken beginnen bereits ihre Schleier um die Sonne zu legen. Ich lichte den Anker und fahre los. Kurz probiere ich es mit Segeln. Doch das hinten angebundene SUP raubt fast einen Knoten Fahrt. Mit zweieinhalb Knoten kreuze ich auf der Förde. Zumindest bis ich entscheide den Motor zu starten.

SUP vermindert Speed

Doch auch so bin ich unheimlich langsam und denke. Dass das so für den Motor nicht gut sein kann. Gegen dieses „Stoppergewicht“ anzukämpfen gefällt mir nicht. Auch das „Platschen“ hinter mir stört mein Empfinden Süd dem Boot. Das SUP muss an Bord und so motoren wir spät am Abend auf direktem Weg nach Marina Minde.

SUP an Deck

Hin und wieder kommt die Sonne noch einmal durch und schenkt mir ein bisschen Hoffnung.

Es stimmt mich oft traurig, aufgrund meiner Verpflichtung als Mutter mein Leben nicht so leben zu können, wie es mein Herz eigentlich verlangt. Das Segeln, das Meer, die offene Weite. Stundenlang auf See sein. Atemberaubende Sonnenuntergänge, Gischt, die kleine Regenbogen zaubert und dieses einzigartige Sein. So wie ich bin. Ja, Ich habe verdammte Sehnsucht und träume mich nicht selten in diese Welt, die ich nur zu gern wahr werden lassen möchte.

Es wird grau

Doch hier und jetzt bleibt nur ein kleiner Teil dieser einzigartigen Welt und ich versuche jeden Moment zu genießen und einfach das Beste aus meiner Situation zu machen.

Die Sonne kommt nochmal

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