31. Oktober 2020
Saisonende

Es ist das letzte, offizielle Wochenende der Saison. Die meisten Segler haben ihre Boote bereits ins Winterlager an Land verholt. Nur wenige stehen noch an den Stegen. Die meisten von ihnen mehr oder weniger lieblos abgestellt und für den Winter allein und sich selbst überlassen.

Findus bleibt ebenfalls im Wasser. Wie immer. Allerdings nicht lieblos abgestellt. Im Gegenteil. Das Deck ist frisch geschrubbt und Salz und Dreck der vergangenen Wochen sind beseitigt. Der Winter kann meinetwegen kommen.

Frisch geputzt

Doch vorher geht es heute nochmal für ein paar Stunden raus auf die Flensburger Innenförde. Der letzte kleine Törn in dieser Saison. Wie schon beim letzten Mal, ist auch heute kaum noch jemand unterwegs.

Wer jetzt noch segelt bringt entweder sein Boot auf dem letzten Drücker ins Winterlager oder liebt es einfach auf dem Wasser zu sein.

Nix los auf der Förde

Das Wetter ist ruhig. Ein bisschen zu ruhig sogar. Aber das macht nichts. Ich bin auf meinem Boot. Bin auf dem Wasser. Ich segel. Langsam. Gemütlich. Ohne Druck und ohne Ziel. Einfach ein bisschen draußen und allein unterwegs.

Allein und glücklich

Graue Wolken dominieren am Himmel. Nur hin und wieder teilen sie sich und geben den Blick auf ein kleines, blaues Stück des Himmel frei. Es weht kaum ein Lüftchen und die Förde liegt spiegelglatt vor mir. Findus dümpelt mit eineinhalb Knoten voraus. Es ist still hier draußen. Außer mir sind noch zwei oder drei andere Segler unterwegs. Sie genießen ebenfalls noch einmal die Stille auf See.

Ein winziges Stückchen Blau

Der Herbst hat Einzug an den Ufern gehalten und die Küsten zu beiden Seiten der Förde prahlen mit ihrer herbstlichen Farbenpracht. Mit Sonne käme dieser Indian Summer weit besser zur Geltung. So lässt sich die Schönheit des Waldes um mich herum mit seinen schillernden Baumkronen nur erahnen. Und doch, ich liebe auch diesen etwas tristen Anblick.

Indian Summer am Ufer

Ich bin gern allein unterwegs. Keine Menschen. Keine Gespräche. Nur ich. Für mich ganz allein. Ich genieße die Stille um mich herum. Genieße den Anblick der Natur. Ich liebe es in solchen Momenten vollkommen in mich versunken meinen Gedanken nach hängen zu können.

Nein, das ist nicht einsam. Es ist einfach unendlich schön und ich genieße jede Sekunde und schließe diese Momente ganz tief in meinem Herzen ein.

Mein Boot genießen

Mittlerweile hat Heinrich, mein Autopilot, das Steuern übernommen. So bleibt mir noch mehr Zeit für mich und meine Gedanken. Ich sitze auf dem Bug meines kleinen, nicht mal acht Meter langen Bootes und bin dankbar. Dafür, dass ich das große Glück habe, mit Findus so derart viel Schönes erleben zu können.

Wind in den Segeln

Ich spüre wieder auf’s Neue, wie sehr ich hier her gehöre. Wie richtig ich hier bin. Auf dem Wasser. Ganz gleich, ob Regen oder Sonnenschein. Ob Sturm oder Flaute. Es ist die See, die mein Herz berührt. Und wenn es die meiste Zeit im Jahr auch nur die Flensburger Innenförde sein kann, so ist es doch weit schöner und richtiger wie jegliches Leben an Land.

My Life

Das Wetter wird trüber. Feine Regentöpfchen rieseln vor sich hin und überziehen alles mit einem feuchten Film. Doch es stört mich nicht. Im Gegenteil, es ist eine der vielen Arten das Leben in mir zu spüren.

Zurücklehnen, auch bei trüben Wetter

Der Wind lässt weiter auf sich warten und so steuert Heinrich weiter. Auch er hat mittlerweile einen passenden Regenüberzieher bekommen, damit er mir noch lange treu zur Seite stehen kann.

Heinrich mit Regenmantel

Die Sicht wird trüb. Für heute drehe ich um. Vier Stunden habe ich die Förde genossen. Knapp dreizehn Meilen dürfte ich da draußen sein. Wenn es auch nicht viel ist, kein großer Sprung, so ist es dennoch ein Geschenk.

Trübe Aussichten

Zurück im Hafen ist alles nass. Unter Deck hängt das Ölzeug und die Dieselheizung läuft auf Hochtouren. Wohlige Wärme durchströmt mein kleines Schiff. Es ist diese einzigartige Gemütlichkeit, die mir das Gefühl von zu Hause gibt.

Hier ist weniger Mehr.

Gemütlichkeit

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