28. November 2021
Segeln am 1. Advent

Es ist Ende November. Erster Advent. Draußen ist es trist und grau und die Temperaturen bewegen sich lediglich um den Gefrierpunkt. Immerhin regnet oder nieselt es nicht, doch der Wolkenschleier über Flensburg will sich auch nicht so recht verziehen. Im Gegenteil. Draußen auf der Förde und über dem Wald am angrenzenden Ufer steigen weiße Nebelschwaden empor.

Es ist eigentlich kein Wetter für einen Segeltörn. Doch es hilft nichts. Ich bin einfach nicht der Typ für besinnliche Adventskränzchen im heimischen Wohnzimmer. Trotz der Kälte muss ich ein paar Stunden auf’s Wasser.

Heute habe ich Begleitung. Eine ehemalige Stegnachbarin aus Berlin ist zu Besuch in Flensburg und kann es, ebenso wie ich, kaum erwarten endlich wieder auf’s Wasser zu kommen. Für sie ist dieser kleine Törn das Sahnehäubchen ihres Gastspiels im Norden und nur zu gerne erfülle ich ihr den Wunsch nach paar Segelstunden.

Der Wind weht dürftig und kann sich nicht so recht entscheiden, aus welcher Richtung er nun eigentlich kommen möchte. Kaum sind wir auf gutem, wenngleich auch sehr gemächlichem Kurs, dreht der Verklicker oben auf dem Masttop erneut seine Pirouretten und der Wind lässt die Segel in sich zusammenfallen.

Dennoch haben wir Glück. Für einige kurze Momente zeigt der Himmel über uns Erbarmen und tront mit klarem Blau direkt über meinem Boot. Wir dümpeln mehr, als dass wir vorankommen und genießen diesen kurzen Farbwechsel.

Mit zartem Plätschern und einer Geschwindigkeit von um die zwei Knoten gleitet Findus voran. Mal am Wind und dann wieder halbwind bei gleichbleibenden Kurs. Das blaue Stück zieht weiter, während wir nur kaum spürbar voran kommen. Sollen wir umkehren? Nein. Noch nicht. Noch ein kleines Stück weiter. Nur noch ein bisschen.

Der Himmel zeigt schwache, rot schimmernde Farbtupfer am Rand der dünnen Wolken und kündigt damit den Untergang der heute nicht erfolgreichen Sonne an. Doch auch die rötlichen Schattierungen dauern nur kurz an. Viel zu schnell beginnt sich der Himmel erneut grau in grau zu zuziehen.

Die Förde ist jetzt leer und bietet so ein riesig großes Spielzimmer, allein für mein kleines Boot. Findus weigert sich bei dem kaum vorhandenen Wind eine letzte Wende zu fahren. Manchmal ist er störrisch. Oder möchte einfach nicht zurück. Doch es wird Zeit. Die Kälte kriecht so langsam in die Zehenspitzen.

Ob Grau oder Blau, mit Wind oder ohne und ob warm oder kalt, es ist vollkommen egal. Denn wer das Gefühl für das Sein auf dem Wasser im Herzen trägt, der ist bei jedem Wetter glücklich an Bord.

Langsam wird es dunkel und wir erreichen das Fahrwasser des Flensburger Hafens. Für heute geht der erste Adventstörn zu Ende. Ich starte den Motor, hole die Segel runter und mache das Schiff klar, während Katrin Kurs gen Heimathafen hält. Die Heizung fährt währenddessen hoch und wärmt den Salon vor.

Nach über vier Stunden lassen wir diesen grauen, jedoch schönen Segeltag bei Kuchen und Tee ausklingen und kommen so doch noch zu einem netten Adventskränzchen.

1 Kommentar

  1. Liebe Marion, zum 1.Adventssegeln durfte ich dich nun begleiten und diese Emotionen, die du immer so wunderbar umschreibst, miterleben.
    Jeden deiner Sätze kann ich nachempfinden.
    Es war trotz Kälte eine solch schöne Atmosphäre über der Flensburger Förde. Diese Wolken/Lichtstimmung haben meine Seele gestreichelt.
    Danke für diesen schönen Segeltörn.

    Antworten
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