12. Dezember 2025
Zur Besinnung gekommen

Viel zu lange ist hier mal wieder nichts passiert und ich habe weder meine Gedanken, noch meine Bilder geteilt. Nicht nur das Wetter hat mir mit ständigem Regen und immer wieder zu viel Wind oft einen Strich durch die Rechnung gemacht, auch meine eigenen Gedanken, getragen von Selbstzweifeln und einer von außen auferlegten und erdrückenden Schwere, haben mich von meinem Boot und auch von mir selbst fern gehalten. Damit soll jetzt Schluss sein. So hoffe ich jedenfalls.

Es ist noch früh am Morgen und die Welt liegt noch eingehüllt in die Schatten der dunklen Nacht. Ich beeile mich, alles schnell vorzubereiten, denn irgendwie fühlt es sich etwas seltsam an, bei Dunkelheit an Bord hin und her zu huschen. Als wäre etwas falsch daran, um diese Uhrzeit ablegen zu wollen. Noch dazu in den Wintermonaten, wo die allermeisten Boote an Land stehen und eingehüllt in Planen ausharren bis die Eigner sie wieder fit für eine neue Runde machen. Es entspricht irgendwie in unseren Breiten einfach nicht der allgemein gelten Norm, im Winter zu segeln. Wer in der Früh joggen geht oder Sport treibt, mit dem Hund eine Runde läuft oder auf dem Weg zu einer erwerbträchtigen Tätigkeit ist, der scheint eher sowas wie eine Legitimation zu haben, wenn er um diese Zeit draußen ist. Fast ein wenig schuldvoll starte ich deshalb schnell den Motor und sehe zu, dass ich die Boxenreihe zügig verlasse.

Wenn ich erstmal, jegliche Landverbindung gekappt, draußen bin und mit knatternder Maschine den Hafen verlasse, dann stellt sich ein Gefühl von Sicherheit bei mir ein. Hier kommt mir keiner mehr in die Quere. Hier spricht mich auch niemand an und keiner will etwas von mir. Hier habe ich endlich Ruhe. Keine Erwartungen, keine Verpflichtungen, keine Verantwortung für andere. Nur mein Schiff und ich.

Sobald die Nacht sich legt und die ersten Farben am Firmament erscheinen, weiß ich, ich habe für den Moment alles richtig gemacht. Das Erwachen dieses neuen Tages ist wie das ungeschriebene Kapitel eines Buches und nur ich entscheide, mit welchen Gedanken und Worten ich es heute füllen möchte.

Frei. Heute bin ich frei. Heute fülle ich mein Herz mit Liebe und schiebe alles von mir, was mich sonst mit Ballast füllt. Ich spüre die Weite um mich herum, auch wenn das Land so dicht ist. Es ist eben doch alles immer in Relation zu sehen. Bin ich in meinem Alltag so gefesselt, dass es mir nahezu die Luft zum Atmen raubt, so bin ich hier auf der Förde umgeben von einem Raum der mich tief Luft holen läßt und nicht mit Sorgen beschneidet.

Ich Atme. Ich lebe. Ich bin. Hier auf dem Wasser, bei winterlichen Temperaturen und einem neu beginnenden Tag. Immer wieder ist es dieses Gefühl der Selbstbestimmung, was mich erfüllt. Ist es nicht so, dass nur aus dem Selbst heraus alles weitere folgen kann? Aus der Selbstannahme nehme ich alles weitere an. Aus der Selbstliebe beginne ich Liebe zu geben. Aus der Eigenverantwortung beginne ich Verantwortung für andere unbeschwert zu tragen. Fehlt eines davon, wird das Leben schwer und eben diese Schwere fällt hier auf dem Wasser von mir ab und ich erlebe die Leichtigkeit des Seins, das Voraussetzung für ein friedvolles Miteinander ist.

Hier bin ich auf dem Weg zurück zur mir selbst. Auch ich beginne neu. Genau wie der heutige Tag. Ich lasse das Grau der Nacht hinter mir und orientiere mich an dem Licht, was vor mir liegt. Ich liebe diese Gedankenspiele und Vergleiche auf See. Zeigt mir die Welt hier draußen doch so viele Parallelen zu den Anforderungen an Land. Doch hier an Bord finde ich wie automatisiert Lösungen und Antworten auf Fragen, die ich gar nicht gestellt habe. Hier draußen fügt sich alles und ich begreife das Leben. Das ist für mich Erfüllung.

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