Es ist schon irgendwie verrückt. Heute fühle ich mich so und morgen wieder ganz anders. Meine Gefühlslage schwebt dabei von einem Extrem ins nächste und von himmelhochjauchzend bis hin zu Tode betrübt ist alles dabei. Aktuell empfinde ich mich selbst als das, was man im allgemeinen Sprachgebrauch als launisch bezeichnet und ich habe gerade absolut keine Idee, wie ich diesen überaus auch für mich nervigen Zustand abgeschaltet bekomme. Ich kann mich gerade selbst nicht wirklich auf mich selbst verlassen.

Heute ist das Wetter ähnlich trüb wie meine Stimmung. Der gestern zugenommene Wind bringt eine stetige Welle aus nordwest mit sich und ich spüre schon wieder diese unerklärliche Unsicherheit in mir. Warum eigentlich? Ich bin doch nicht das erste Mal hier draußen und bin auch bei weitaus schwereren Bedingen schon allein unterwegs gewesen. Während ich versuche meine Gedanken zu zügeln, springt Findus fröhlich durchs Wasser und wirft sich freudig in die graue See. Endlich mal wieder anständig segeln, würde mein Boot wohl sagen, wenn es sprechen könnte.

Schwer rollen die dunklen Wellen von Norden heran und rauschen sprudelnd unter Findus‘ Bauch hindurch. Mein Boot hebt sich dabei im Takt und rollt sich geschickt zur Seite, um sich im Anschluss wieder aufzurichten und sich so stoisch weiter seinen Weg den Lillebælt gen Süden bahnen. Ich dokumentierte derweil und versuche Wellen und Gischt mit dem Handy einzufangen.

Meine kleine PD kann das alles, das weiß ich und ich vertraue meinem Schiff hier voll und ganz. Ich kann das auch. Auch das ist mir bewusst, doch das Vertrauen in mich selbst ist angekratzt. Wir beide haben schon weitaus wildere Ritts hinter uns und ich spüre hier und jetzt zwar keine Angst oder dergleichen, doch richtig wohl ist mir auch nicht. Mir fehlt es einfach an Kraft und Begeisterung, die Freude meines Schiffes zu teilen.

In der Außenförde angekommen nimmt der Wind jetzt spürbar ab und auch die aus Norden kommende Welle ist nun größtenteils durch die Landabdeckung verschwunden. Deutlich langsamer segle ich nun und weiß gar nicht so recht, ob ich das besser finde oder nicht. Beides hat seinen Charme. Langsam segeln bedeutet einfach mehr auf Zeit auf dem Wasser sein zu können. Hingegen schnell Segeln weitaus mehr Aktionen an Bord mit sich bringt. Eigentlich mag ich beides.

Plötzlich bekomme ich unerwarteten Besuch an Bord. Ein kleiner gelber Falter lässt sich auf der Scheibe meiner Sprayhood nieder und begleitet mich eine ganze Zeit. Ich begrüße ihn herzlich und „unterhalte“ mich mit ihm, während er einfach an der Scheibe sitzt, hin und wieder seine Flügel bewegt und seine Position dem Fahrwind anpasst. Es ist schön ein bisschen Gesellschaft zu haben, sei es auch nur kleines Insekt, was für kurze Zeit als blinder Passagier mitfährt.

Noch einmal blicke ich mich um. Noch einmal die Weite sehen, bevor es für heute Richtung Hafen und somit an Land geht.

Høruphav ist einer meiner Lieblingshäfen. Nicht nur, weil es hier kleine Boxen für kleine Boote gibt. Auch wegen seiner umliegenden Natur mag es hier zu sein. Wie immer spaziere ich meine übliche Runde und genieße die Stille und den Sonnenuntergang bevor ich mich in den Bauch meines Schiffes verziehe und den Tag für mich Revue passieren lasse.






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