22. Juli 2020
Rückweg

Draußen pfeift und pustet es weiterhin unaufhörlich. Nur wenige Segler verlassen heute den Hafen. Auch wir werden noch einen Tag bleiben. Der Nordwestwind donnert noch immer zu kräftig den kleinen Belt hinunter. Gern wäre ich noch etwas weiter nördlich gekommen, aber immer nur gegenan? Und das bei den doch eher unmoderaten Bedingungen? Nein. Ich muss einsehen, dass mir und meinem Schiff hier einfach Grenzen gesetzt sind. Mir fehlt leider die Zeit. Ich kann nicht auf eventuelle Zeitfenster warten, in denen es einfach mehr Sinn macht weiter zu segeln.

Assens Leuchtfeuer bei Nacht

Der nächste Tag sieht nicht wirklich so viel besser aus. Aber es nützt nichts. Laut Vorhersage lässt der Wind im Laufe des Tages immerhin ein klein wenig nach. Die Wolken verraten allerdings schon, dass heute wieder alles dabei sein wird. Wir nutzen also eines der Windlöcher und legen erstmal ab. Vielleicht schaffen wir vor dem Rückweg ja doch noch ein weiteres Ziel?

Wind und Wellen sprechen dagegen. Vorerst segeln wir am Wind, der im Moment eher spärlich daher weht. Dazu erwischen wir eine ungünstige und anhaltende Seitenwelle, die das Boot mehr schaukeln lässt, anstatt es voran zu bringen.

Der Kurs passt einfach überhaupt nicht und lässt mich erneut meine Pläne ändern. Wie schon so oft in diesem Urlaub. Ich setze die Segel auf Halbwind und nehme Kurs auf den Alsfjord.

Mitten auf dem kleinen Belt braut es sich dann zusammen. Der Himmel zieht sich zu und dunkle Wolken rauben jegliches Blau. Auch der Wind nimmt zu und kommt jetzt zunehmend aus Südwest. Eine ganze Zeit lang kommen wir noch gut voran und Findus scheint mal wieder übers Wasser zu fliegen. Mein besorgter Blick allerdings ist auf die dunklen Wolken vor mir gerichtet. Nordwestlich beginnt es bereits über Dänemarks Küste zu regnen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Gleich kommt er, der Wind

Ich nehme die Segel runter. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Wind kräftig über uns herfällt. Hier draußen sind 25 Knoten doch was anderes wie auf der heimischen Förde. Um uns herum ist kaum jemand unterwegs. Zwei, drei große Segler, von denen mehr Unterwasserschiff als Rumpf zu sehen ist, ziehen an uns vorbei und nehmen kurz darauf auch ihre Segel runter. Richtige Entscheidung also. Unter Maschine läuft Findus nun geraden Kurs Richtung Alsfjord.

Hier wird es wieder ruhiger und in Stegsvig, dem „Dinomaul“, ist es endgültig vorbei. Hier zeigen sich Wetter und Landschaft erneut von ihrer besten Seite.

Engstelle Richtung Dyvig

Nur zu gern hätte ich es nach weit oben in den Norden geschafft. Schwedische Schären, Skagen, Finnland. Ich möchte karge Landschaft sehen. Stein und Fels. Einöde. An unberührter Natur vorbei segeln. Frieden spüren. Ja, ich habe noch viele Ziele. Und Träume.

Aber es müssen nicht immer große Sprünge sein. Kein Stress, kein Druck. Das ist Gift da draußen. „Hauptsache man ist unterwegs, wo ist dann eigentlich auch egal.“ Das ist richtig Claus, danke nochmal für deine Worte. Sie haben mich in die Realität zurückgeholt und mir neuen Mut gegeben.

Denn auch hier darf ich Natur erleben. Noch einmal Ruhe und Stille im idyllischen Mjels Vig genießen. Es ist einfach schön hier. Meine Zeit auf dem Wasser und all diese Bilder nehme ich im Herzen mit und spüre wie richtig das alles ist.

Mjels Sø
Wanderweg um den See
Respekt vor dem Wasser
Heile Welt
Gelassenheit und Ruhe
Kleines Paradies
Ich liebe diese Farben
Gute Nacht Welt

Ohne Findus könnte ich all diese kleinen Wunder nicht erleben. Und deshalb bin ich ein weiteres Mal unendlich dankbar. Dankbar allen gegenüber, die mich auf diesen Weg gebracht haben und begleiten. Mit ihren Worten und ihren Taten.

Danke

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