1. Juli 2019
Einwehen? Nicht mit Findus

Wie angekündigt hat der Wind nur darauf gewartet uns ordentlich auf die Mütze geben zu können.

Eingeweht heißt es überall. Wenn ich mir die Prognose ansehe, dann geht das die kommenden zwei Wochen so. 6-7 Bft sind Standard. So nett es in Søby auch ist, ich möchte weiter. Wenn auch nur kurze Schläge, so doch wenigstens raus und was neues sehen. Findus ist schließlich kein Wohnschiff, sondern ein Segelschiff. Ein kleines immerhin. Und es möchte gesegelt werden.

Mit bis zu 32 Knoten aus West machen wir uns auf den Weg von Søby nach Lyø. Es reicht ein Fetzen Fock um Findus auf bis zu 7,1 Knoten Speed zu bringen. Es pfeift und surrt um uns herum. Es ist gigantisch, was Wind für einen Lärm zustande bringt. Gespenstisch und machtvoll. Die Natur in ihrer unendlichen Kraft. Achtern ist außer uns nur eine Najad 42 unterwegs. Gerefft mit zwei Segeln ist sie um Längen schneller wie wir und schon bald kaum noch zu sehen.

Die von meiner Tochter getauften „Tsunami-Riesenwellen“ rollen unter Findus hindurch während sie das Boot anheben und fallen lassen. Nicht selten bekommen wir im Cockpit eine salzige Dusche. Es gehört schon einiges dazu mit dieser See umzugehen. Und wenn mich die paar Stunden da draußen eines Lehren, dann eine gehörige Portion Respekt und Ehrfurcht.

Vor uns braut sich was zusammen. Am Himmel zeigen sich sämtliche Schattierungen von himmelsfarben, doch am Eindruckvollsten ist die schwarze Wolke auf die wir direkt zusteuern. Es nützt nichts, denn genau da müssen wir hin. Ging es bislang Raumschots gut voran, muss ich nun den Kurs ändern und härter an Wind. Die Wolke hat uns erreicht und schüttet nun alles was sie hat wie aus Kübeln auf Findus hinab. Der Regen peitscht mir ins Gesicht. Die Hose ist pitschnass. Zum Glück konnte ich es wenigstens einen Teil Ölzeug vorher anziehen.

Den Anleger im Hafen hab ich anschließend zur Belustigung aller dann zum Hafenkino werden lassen. Erst den Luv Dalben nicht erwischt. (Warum sind die auch so extrem hoch?). Anschließend fast quer in der Box gestanden, aber am Ende Dank Ruhe und helfender Hand vom Stegnachbar einigermaßen gerade angelegt.

Was für ein geiler Ritt. Selbst die Kinder fanden es gut. Und das ist doch mal ein Erfolg.

Lyø selbst scheint gerade im Umbruch. Der Hafen mit seiner schmalen Einfahrt scheint noch recht jung. Die sanitären Anlagen dürften hingegen schon etwas älter sein. Der Hafenmeister, freundlich und kommunikativ, kommt regelmäßig zum kassieren auf die Stege.

Landeinwärts ist es dann ruhig und die typische Idylle der dänischen Südsee wird sichtbar. Ich liebe diese alten Häuser, die Höfe und Gärten.

2 Kommentare

  1. Gut gemacht Marion.
    Voller Neid sitze ich im langweiligen Büro, abgeschirmt von der Natur, vom draußen sein, vom Mensch sein.
    Anliegerkurse brauche ich bei 32 Kn mit meinem Boot nicht mehr versuchen. Da fehlen mir einfach einige cm im Wasser.
    Nicht wegen dem Komfort, nicht wegen der Größe im allgemeinen, aber genau wegen dem was Du zwischen Söby und Lyö erfahren hast, sollte ich vielleicht doch mal über ein etwas größeres Schiff nachdenken. 🙂

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  2. Wie Du schon schreibst, mit dem Wetter musst Du dich wohl abfinden, ändern wird sich die Wetterlage in der nächsten Zeit nicht wirklich. Aber welche Seglerin will schon 35 bis 40 Grad und kein Wind 😜.

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