8. Mai 2021
Hafen gesperrt

Bis 9.30 Uhr müssen alle Boote, die unterwegs sind, die Wasserfläche im Flensburger Hafenbereich verlassen. Danach ist die gesamte Wasserstraße, und somit die Möglichkeit vom oder zum Liegeplatz zu kommen, gesperrt. Auch unser Stadthafen gehört dann zum Sperrgebiet. Wir dürfen dann weder die Schiffe, noch die Stege betreten.

Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt Luftlinie ca 1,1 km entfernt und wird heute entschärft. Eigentlich dürften wir selbst im übelsten Fall davon nicht allzu viel mitbekommen, da wir bereits aus dem Radius raus sind. Dennoch dürfen wir während der Zeit der Evakuierung und der eigentlichen Entschärfung nicht an Bord sein und die Wasserfläche des Hafens nicht nutzen. Anordnung der Hafenbehörde. Doch wer weiß schon, wie lange diese Aktion dauern wird? Und den ganzen Tag nicht auf’s Schiff dürfen ist auch ziemlich blöd.

Also vielleicht lieber den ganzen Tag draußen auf See verbringen? Wer weiß allerdings, wie sich das Wetter entwickeln wird? Und wir haben dann keine Option einfach spontan zurückzukommen. Aber irgendetwas wird sich schon ergeben, so hoffe ich zumindest und mache erstmal die Leinen los und verlasse den Hafen.

Ohne Segel

Pünktlich um 9.30 Uhr setze ich draußen kurzfristig die Segel. Doch es ist mehr Wind wie angesagt und so richtig ist mir gerade nicht nach rumbolzen. Nach einiger Zeit nehme ich die Segel wieder runter und mache die Maschine an. Ich lasse mich von den achterlichen Wellen hin und her schubsen und fahre extra mit nur wenig Umdrehungen.

Um mich herum ist nicht viel unterwegs. Ich sehe nur drei oder vier Boote, die ihre Segel gesetzt haben. Weitere, auch kleinere Boote, liegen in der Bucht von Wassersleben vor Anker und genießen dort ihre Zeit an Bord. Vielleicht gar keine schlechte Idee. Doch alleine habe ich das noch nie probiert und bin mir nicht sicher, ob das gut gehen würde. Also motore lieber weiter langsam vor mich hin.

Bewaldete Küste

Ich fahre dicht an die Küste heran und halte mich auf der zwei Meterlinie. Mit eineinhalb Knoten befahre ich diese Gegend so das erste Mal. Verdammt schön ist es hier. Das war mit gar nicht bewusst. Bislang galt meine Aufmerksamkeit auf dem Wasser ausschließlich dem Segeln. Dem Wasser, dem Wind, den Wolken und Wellen.

Traumhaftes Plätzchen

Wahrscheinlich bin ich auch auf dem Wasser immer noch viel zu oft viel zu schnell unterwegs und gehe nicht tief genug ins Detail. So empfinde ich das zumindest gerade. Alles ist schnelllebig, alles muss funktionieren und alles muss perfekt sein. Falsch. Zeit und Muße und braucht es um den Kopf frei zu bekommen und den Körper zur Ruhe kommen zu lassen. Ich spüre, wie ich in mich hinein horche und ich langsam zurück zu mir selbst komme.

Der Wind hat ein wenig nachgelassen, ebenso meine Bedenken und ich entscheide mich nun doch zu segeln. Sobald ich das Vorsegel rausziehe, ist Findus direkt bei über fünf Knoten Fahrt. Wieder bin ich viel zu schnell unterwegs, doch das Plätscherns des Wassers an Findus‘  Bug wirkt wie ein Rausch.

Halo um die Sonne

Ich will mehr. Bin wieder da. Will segeln und mein Boot spüren. Meine anfänglichen Bedenken lösen sich nun komplett auf und ich überlasse Findus die Pinne. Mein Boot entscheidet über den Kurs. Auch Findus ist wieder da. Viel zu lange war da Unsicherheit, ja vielleicht sogar Angst. Wovor? Ich weiß es nicht. Das Leben schreibt manchmal seltsame Kapitel.

Mit sechs Knoten fliegt Findus jetzt übers Wasser. Ich spüre den Druck in den Segeln und genieße die Kraft und Stärke, die von diesen kleinen 26 Fuß Gfk ausgehen.

Genau so liebe ich es. Mache einen Schlag nach dem anderen. Messe mein Boot mit anderen Booten. Halte Kurs und spüre Sicherheit. Bin aufmerksam und fühle. Ich spüre das Leben. Ich lebe.

Kreuz und quer und es hin und her. Ohne Ziel und ohne Zwang.

Just sailing around

Sieben Stunden war ich am Ende auf dem Wasser. Sieben Stunden, die so genau richtig waren. Erst zu doll, mit Bedenken und Angst. Doch mit Zeit und Mut findet sich der Weg zum Ziel wie von alleine. Segeln ist wie Therapie und mein Boot der beste Therapeut und irgendwie auch der beste schwimmende Freund, den man sich wünschen kann.

Best friends

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