25. Januar 2021
I have to sail

Der Tag ist perfekt. Blauer Himmel, Sonne und zwölf Knoten Wind aus West. Was bleibt einem da anderes übrig als Segeln zu gehen?

Doch es ist Winter und mein Deck ist an einigen schattigen Stellen noch gefroren. Bevor ich ablegen kann muss die zarte Eisschicht weg. Zu gefährlich wäre es da draußen an Deck auszurutschen und wohlmöglich über Bord zu gehen. Das Wasser der Förde ist eisig kalt. Nein, soviel Zeit muss sein. Mit dem Fensterabzieher befreie ich Findus von dem gefrorenen Nass und wische mein Boot anschließend auf den Laufflächen trocken. Sicher ist sicher.

Und dann… Endlich raus aus dem Hafen. Segel setzen und straight on. Erstmal weg.

Traumbedingungen im Januar

Der achterliche Wind lässt Findus nur  spärlich vorankommen. Wind von hinten oder raumschots ist nicht wirklich Findus‘ Stärke. Dennoch steht der Kurs. Erstmal geht’s raus ins Blau auf der Innenförde.

Es tut gut hier draußen zu sein. Kühle Luft auf den Wangen zu spüren und die Gewissheit zu haben, das Richtige zu tun. Dem Wahnsinn des Alltags für einige Zeit zu entfliehen. Die Stille wirkt dabei Wunder. Mein Kopf ist frei. Ich bin glücklich und genieße einfach den Augenblick. Dabei bin ich unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, geschweigedenn Worte zu finden.

Wo eben noch blauer Himmel war zieht urplötzlich eine unscheinbare und doch dunkle Wolke von Dänemark aus über uns hinweg. Bevor ich es realisiere höre ich bereits das Rieseln des feinen Hagels auf der Sprayhood. Ich muss lächeln. Das ist schon ein wenig bizarr, was ich hier mache. Mitten im Januar segel ich bei Hagel auf der Förde spazieren. Gilt sowas schon als verrückt? Doch selbst wenn, ich bin es nicht allein. Der kleine Segler vor mir ist mindestens genauso bekloppt.

Hagel an Bord

So schnell er kam, so schnell ist er auch schon wieder vorüber. Die Hagelkörner schmilzen rasch und im Nu ist nichts mehr von den kleinen Eistropfen zu sehen.

Ich ändere den Kurs und segel eine Weile am Wind zurück Richtung Hafen. So richtig fix komme ich allerdings auch auf diesem Kurs nicht voran.

Nein, ich will nicht weiter zurück und wende das Boot diesmal einfach dahin wo es Spaß macht. Wo das Rauschen der geteilten Gischt am Rumpf empor kriecht und Findus einfach läuft.

Immer öfter formieren sich die unterschiedlichen Wolken neu und bringen neue  Graunouancen mit sich. Ich liebe das Spiel der Wolken am Himmel. Man muss nur kurz weg sehen und sie verändern ihre Gestalt. Fügen sich zusammen oder ziehen in neuer Form weiter.

Von allem etwas

Die Wolken mehren sich. Der Wind nimmt etwas zu. Es war richtig noch einmal umzudrehen. Jetzt kommt Findus endlich in Fahrt und der Mix aus Sonne und dunklen Wolken lässt mein Schiff in herrlichem Licht erstrahlen. Ein paar Schläge möchte ich noch machen. Willkürlich. Einfach wie es passt und Spaß bringt.

Dunkle Wolke voraus

Der sich färbende Himmel klopft mir auf die Finger. Die Sonne schwindet und es wird langsam kalt. Die Farben am Himmel zeigen mir, dass es Zeit zur Umkehr ist.

Ich blicke mich noch einmal um und spüre dieses innere Wohlsein. Ich bin zufrieden mit mir und der Welt.

Goodbye Sun

Nur noch wenige Meilen, dann wird Findus wieder in seiner Box stehen und es wird erneut zu frieren beginnen. Auch mir wird bereits langsam kalt. Zwei Stunden sind im Winter gut auszuhalten. Doch alles darüber hinaus braucht wärmende Strahlen der Sonne.

Für heute ist mein kleiner Ausflug beendet und es hat sich mehr wie gelohnt. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die die größte Wirkung erzielen.

Leere Förde

Danke….😊

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