25. Juni 2021
Leichtwindsegel

Mal wieder so gar kein Wind. Doch was soll ich machen? Ich kann doch nicht dauerhaft in der Förde stehen. Vorallen will ich das nicht. Ich will auf dem Wasser sein und dem Land wenigstens für eine geringe Zeit entfliehen. Deshalb geht’s los. Mit wenig Wind zwar, aber immerhin raus aus dem vertrauten Hafen.

Leichtwindsegel

Kurz hinter der Schwiegermutter entscheide ich mich das Leichtwindsegel zu setzen. Bisher habe ich es nur einmal kurz für fünf Minuten auf der Innenförde hochgezogen. Einfach um zu sehen, wie das alleine machbar ist. Doch heute ist die echte Generalprobe.

Ich muss gestehen, dass das Segel an sich gar kein Problem ist, nur die Schoten wollen nicht auf Anhieb so, wie ich das will. Das Segel geht fast bis ins Cockpit. Über die Genuaschiene kann ich sie also nicht fahren. Blöcke achten, um sie umzulenken, habe ich aktuell auch keine. Ich muss improvisieren und lege sie einfach um den Heckkorb. Das geht sogar ganz gut. Schließlich ist es ein Leichtwindsegel und allzu viel Druck möchte ich darin so oder so nicht haben.

Ich spiele und probiere aus. Der geringe Wind lässt das zu und so bekomme ich allmählich ein Gefühl dafür, wie dieses Segel wirklich tickt.

Schmetterling

Mal probiere ich Schmetterling mit Wind von hinten, mal raumen Wind, oder Halbwind. Ich entscheide mich für eine Mischung zwischen raumschots und halbwind. Der Kurs soll schließlich auch einigermaßen stimmen.

Hin und wieder erwischt mich eine kleine Böe von wenigen Knoten, doch Findus ist sofort bei fast 5 Knoten Fahrt. Ein bisschen unheimlich ist mir das. Fast zu viel sogar. Was ist, wenn der Wind so bleibt? Ich komme genial voran, doch bekomme ich das Segel dann auch alleine wieder runter? Doch noch bevor ich weiter darüber nachdenke, ist die zarte Böe auch schon wieder vorbei und das Leichtwindsegel trägt mein Boot und mich mit durchschnittlichen drei Knoten voran.

Lille Bjørn folgt Findus

Lille Bjørn hat ebenso das Leichtwind gesetzt. Es ist Findus‘ altes Segel und steht dem Bär perfekt. Zwei Polaris Drabant 26 unter bunten und leichten Tüchern. Von weitem bestimmt ein tolles Bild. Schade, dass keiner mit uns mitfährt und dieses Bild von außen festhalten kann.

Lille Bjørn dreht ab

Hinter Kragesand dreht Lille Bjørn ab, um Kurs auf unseren Zielhafen, Høruphav, zu setzen. Ich drehe währenddessen noch eine Runde und ergebe mich meinen Gedanken. Ich mag es hier zu sein. Mehr oder weniger allein.

Emma verweilt im Bug. Segeln ist doof. So langsam sogar doppelt doof. Mein Hotspot läuft und sie hört Musik. Chattet mit Freunden und tut das, was Mädchen in dem Alter scheinbar alle tun. Ich lasse sie gewähren. Irgendwie müssen wir uns schließlich arrangieren.

Die Weite liegt vor mir. Aber nicht heute. Nicht für mich. Ich blicke zurück. Sehe weiße Segel und frage mich, welche Ziele sie wohl vor sich haben. Einige kommen schnell dichter. Sie schummeln und lassen heimlich ihre Maschine mit laufen.

Ich genieße noch die letzten Meilen im der Sønderborger Bucht, bevor ich mich entscheide, das Leichtwindsegel zu bergen und meinen Harry ebenfalls zu starten. Es ist heiß und so langsam wäre es doch schön, im Hafen zu liegen.

Blick Richtung Ostsee

Ich bin ziemlich fertig. Von nichts eigentlich. Ich zahle schnell mein Hafengeld, klebe die grüne Hafenmarke an den Bugkorb und verschwinde mit einer Schüssel kalten Wassers für meine Füße in mein Cockpit. Ruhe. Ich schlafe ein.

Feuerstelle

Gegen Abend wird es angenehmer und ich gehe meine typischen Runden. Die kleinen Wege die ich immer gehe, wenn ich hier allein unterwegs bin. Vorbei an der selten genutzten Feuerstelle. Entlang der einsamen Wege und der Natur, die ich in diesem Hafen einfach liebe und sehr zu schätzen weiß.

Weg neben dem Hafen
Natur

Deshalb mag ich es hier einfach. Hafenruhe, Vogelgezwitscher und Schwalben, die permanent singend auf den Leinen verweilen, um kurz darauf weiter ihr fliegendes Spiel miteinander zu spielen.

Reusen

Immer wieder entdecke ich etwas Neues. Ob es trocknende Fischerreusen am Laternenmast sind, oder die im Blumenkübel brütende Ente, von der ich erst annahm, sie weile nicht mehr unter den Lebenden. So still sitzt sie da und hütet und brütet ihre Eier.

Brütende Ente

Der späte Abend zaubert dann wieder diese traumhaften Farben, an denen ich mich nie sattsehen kann. Ich bin heute nicht die einzige, die sich dieses Schauspiel nicht entgehen lässt und freue mich darüber, dass es doch den einen oder anderen Menschen gibt, der ähnliches im Herzen zu tragen scheint.

Badestelle Nord
Abend am Strand
Hafenmole Süd

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