12. Juli 2021
Lillebælt bei Flaute

Segeln. Ich möchte einfach nur segeln. Meinem Herz neuen Mut zusprechen. Wieder leben und spüren, dass ich bin. Ich möchte auf dem Wasser sein. Heute ist wieder wenig Wind. Doch das macht nichts, denn genau so mag ich es. Und es gibt ohnehin nur noch zu viel Wind oder eben Flaute. Und zur Zeit entscheide ich mich einfach lieber für die Flaute. Hauptsache ich bin auf dem Wasser und kann Stille in mich aufnehmen.

Middelfart Marina

Ich lasse Middelfart hinter mir, doch noch etliche Meilen weiter thront die Lillebæltsbro noch immer über der Stadt. Heute kann ich mich besser auf meine Umgebung einlassen und genieße die Natur an der Ostküste Fænøs. Die Insel liegt in Privatbesitz. Entsprechend schön und unberührt ist ihre Natur.

Südküsten Fænø

Hier im Sund strömt es mit über einem Knoten gegen uns. Bei dem wenigen Wind wird hier nicht gesegelt. Wer es versucht, der steht unter Segeln auf der Stelle. Und das ohne dabei auf Grund zu sitzen, wie vor einigen Wochen die grüne PD vor Skarø.

Nein, bevor ich Segel setze, motore ich den Fænøsund gen Süden raus. Vorbei an der Einsamkeit und Schönheit vom Norden Fønsskovs. Das wäre ein Fleckchen Erde für mich. Freie Natur umgegeben von Wasser und mitten drin ein einsames Häuschen.

Einsamkeit

Nun probiere ich es doch. Ich möchte Segeln. Ich fummel das Reff von gestern frei und hisse das Großsegel. Die Genua folgt und ich kreuze rüber zum Festland. Ein Gefühl erwacht leise und still in mir. Ein Lächeln. Ich.

Segeln

Die Sonne brennt. Aufgrund der Strömung die hier oben herrscht segelt man besonders bei Schwachwind nicht einfach los. Man achtet auf Zeiten und der Richtung der Stroms und so ist es bereits Mittag, ehe ich los komme. Es ist heiß. Viel Wind ist nicht. Soll heute auch nicht mehr kommen. Einzig der bald kippende Strom wird mich in einer Stunde kaum merklich voran treiben.

Mein Versuch zu kreuzen scheitert. Die Strömung treibt mich zurück und nach zwei Schlägen beginne ich genau da, wo ich unter Segeln gestartet bin. Es macht noch keinen Sinn. Ich ziehe die Genua wieder rein und motore noch kleines Stück weiter Süd.

Die Sonne brennt

Der regelmässige Blick auf die Strömungskarte gibt mir Hoffnung. Ich probiere es nach zwei Meilen erneut und diesmal nimmt der Strom mich mit.

Endlich Ruhe. Kein röhrender Motor, keine fremden Boote. Das Land ist zwar in unmittelbarer Blickweite, doch weit genug entfernt. Ich bin innerlich zufrieden. Positive Gefühle stellen sich ein. Ich bin froh hier draußen zu sein.

Mit unter zwei Knoten segel ich langsam vor mich hin. Es ist schön. Ich lächele vor mich hin. Hier draußen bin ich einfach. Hier draußen, umgeben von nichts außer Wasser und entferntem Land existiere ich nicht nur. Hier draußen ist Leben in mir. Hier draußen liegt der Sinn meines Seins.

Kein Wind

Fünf Meilen schaffe ich in vier Stunden. Dann verschwinden auch die letzten zwei, drei Knoten Wind komplett.

Absolute Flaute

Eine Weile lasse ich mich planlos auf dem kleinen Belt treiben. Ich mag das spiegelglatte Wasser. Als dürfe man es nicht stören, so liegt es in vollkommener Stille da. Mir vermittelt es Ruhe. Eine stille Kraft. Ein Runterfahren. Entschleunigen. Ich nehme diese Ruhe auf. Versuche mich darauf einzulassen.

Danach werfe ich die Maschine wieder an und mache mich mit sechs Knoten Fahrt auf den Weg Lille Bjørn einzusammeln.

Lille Bjørn wird geschleppt

Es ist unerträglich heiß jetzt. Noch sechs Meilen sind es bis zum Hafen. Emma lässt die Füße ins Wasser baumeln und ich verkrieche mich unter die Sprayhood, um dort wenigstens einen Hauch von Schatten zu erhaschen.

Abkühlungen.

Die totale Flaute zieht einen Ostwind nach sich und Kurz vor Hafeneinfahrt pustet er mit angenehmen zwölf Knoten. Schade, er hätte gern zwei Stunden früher kommen dürfen.

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