3. Juli 2021
Storebælt

Heute verlasse ich vorerst die dänische Südsee um östlich von Fyn nach Norden zu kommen. Nyborg, am Großen Belt gelegen, soll das heutige Ziel sein. Um die fünfundzwanzig Seemeilen sollen es werden. Dazu perfekte Bedingungen. Nur der Himmel zeigt sich in tristem Grau.

Kurz nach sieben laufe ich aus. Gefolgt von Lille Bjørn. Zweier Flotille. Jeweils einhand. Emma schläft um diese Zeit noch und wird es wahrscheinlich auch bis zu unserer Ankunft so handhaben. Mir passt das ganz gut.

Ich mache das Deck klar, als ich hinter mir plötzlich ein Wasser pustendes Geräusch höre. Ich drehe mich im Cockpit um und im ersten Moment meine ich einen Schweinswal gesehen zu haben. Riesig und lang. Ich bekomme dieses Bild im Kopf allerdings nicht den mir bekannten Schweinswalbildern zusammen. Irgendwas passt hier nicht. Wenn das ein Schweinswal war, dann ein riesiger. Nein, das muss etwas anderes gewesen.

Dank Jacob, der mich gerade mit Informationen über die Gegend hier versorgt, erfahre ich, dass es hier im Svendborgsund einen Delphin gibt. Tatsächlich also, ich habe soeben einen Delphin hinter meinem Boot durchschwimmen sehen. Sofort halte ich meine Handy in die Richtung und hoffe, dass er noch einmal auftaucht. „Delle“, wie er unter Einheimischen genannt wird, taucht hinter Lille Bjørn noch einmal auf und verschwindet dann in seiner Unterwasserwelt.

„Delle“ und Lille Bjørn

Durch den Svendborgsund geht es nun nördlich um die Insel Tåsinge. Landschaftlich ist das hier ein Traum. Selbst bei grauem Himmel ist es schön und lässt erahnen, wie farbenreich es hier bei strahlendem Sonnenschein sein muss.

Nordspitze von Tåsinge

Durch die Betonung motore ich. Eine leichte Strömung geht gegen uns. Nicht viel, laut DMI nur 0,7 Knoten, doch ich merke, dass mein Boot langsamer wie gewöhnlich ist.

Leichte Strömung
Strom gegen uns

Ein Traum sind auch die einzelnen Häuser und Höfe direkt am Wasser. Nicht selten verfügen die Grundstücke über eigene Steganlagen.

Hof mit eigenem Steg
Haus am Wasser

Ich verlasse den Sund und fahre gen Norden. Vor mir liegt der Storebælt. Ewige Weiten voraus. Doch noch sehe ich Land. Graues Land. Diesiges Land.

Gerefftes Groß

Heute ist perfekter Wind. Zwischen acht und vierzehn Knoten zeigt mein Windmesser. So könnte es immer sein. Dennoch segel ich gerefft. Das ist entspannter für mich und für Emma, die unter Deck wie erwartet noch immer schläft. Geschwindigkeit büße ich durch’s Reffen auch nicht ein.

Nieselregen

Es beginnt zu nieseln. Leichte Tropfen benetzen die Scheibe meiner Sprayhood. Doch auch wenn Himmel und See heute nicht in kräftigem Blau strahlen und nur einen tristen und diesigen Blick auf die See preisgeben bin ich glücklich.

Glücklich

Einhand auf dem großen Belt. Das meine Tochter unter Deck schläft zählt in diesem Punkt nicht. Verantwortung ist ihr gegenüber zwar allgegenwärtig, doch sie zeigt sich während des Segelns nie. Weder beim Ablegen, geschweige denn beim Anlegen. Für mich ist das Einhand. Nur im Hafen ist sie dann da. Meist mit der Frage nach dem WLAN Passwort. Wir arrangieren uns so gut es geht.

Grau in Grau
Just sailing

Nur noch wenige Meilen. Die Vestbroen, die westliche von zwei Brücken, die als Ganzes Storebæltsbroen heißt, ist bereits in Sicht.

Ich genieße meine Einsamkeit. Hier draußen gefällt sie mir. Hier draußen bin ich einfach eins mit mir, meinem Schiff und meiner Umwelt.

Graues Nichts

Gedankenverloren sehe ich plötzlich ein einzelnes Fähnchen. Ein zweites ist nicht in Sicht. Manchmal verstehe ich die Dänen nicht. Ich habe keinen blassen Schimmer, was dieses Teil, hier mitten auf dem Belt, zu bedeuten haben könnte.

Einsames Fähnchen
Vestbroen

Fast 27 Meilen liegen nun hinter mir. Ich habe es geschafft. Mein eigener ganz kleiner Erfolg. Und wieder weiß ich, Segeln ist das Beste, was mir je passieren konnte.

Hafeneinfahrt

1 Kommentar

  1. Wie toll, ihr habt Delle gesehen!!

    Die Bilder zeigen: Auch wenn die Sonne mal nicht da ist, bei richtigem Wind ist Segeln das Größte!

    Antworten
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