14. Juli 2021
Weiter gen Süden

Die Langzeitprognose in Sachen Wind sieht nicht unbedingt traumhaft aus. Wie gehabt ist es zu viel, oder zu wenig. Nur selten erwische ich ein Zeitfenster mit dem für mich perfekten Segelwind. In ein paar Tagen muss ich in der Nähe der Flensburer Förde sein, um meine Tochter von Bord gehen zu lassen. So überlege ich täglich, welcher Schlag jetzt Sinn macht um anschließend nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

Pippilotta

Rechtzeitig brechen wir heute auf und verlassen mit zwei Booten gegen 7.15 Uhr den Hafen. Der Traditionssegler „Pippilotta“ aus Kappeln liegt derweil in der ohnehin schmalen Hafeneinfahrt. Entgegenkommen sollte mir jetzt keiner. Doch wer ist schon so früh unterwegs?

Fähre

Außer der Årøsundfähre tummeln sich neben Findus und Lille Bjørn nur zwei oder drei weitere Boote bereits auf dem Wasser.

Leuchtfeuer Årø

Ans Flotillesegeln habe ich mich längst gewöhnt und finde es eine tolle Alternative zum klassischen Einhandsegeln. Tagsüber bin ich auf See mein eigener Herr. Entscheidungen treffe ich allein und in eigener Verantwortung. Keine Rechenschaft, keine unguten Gefühle. Alles aus dem Bauch heraus und meine eigenen Bedürfnisse abgestimmt.

In aller Seelenruhe kann ich hier meinen Gedanken nachhängen. Kann fröhlich sein und lächelnd vor mich hinpfeifen. Doch genauso kann ich traurig sein und muss keine Träne heimlich vergießen. Es gibt nur mein Schiff und mich und wir beide schwingen hier im Einklang.

Stundenlang möchte ich in die Ferne sehen und schweigen. Wieder und wieder so viel Weite verinnerlichen wie sich mir bietet. In der Ferne ist Land auszumachen, doch wenn ich meinen Blick nicht direkt gen Horizont richte, macht es noch einige Meilen den Anschein weit draußen auf See zu sein.

Sailing

Viel Wind ist nicht. Dafür ist es still. Kein röhrender Motor durchbricht das Schweigen, keine schlackernden Segel schlagen um sich. Nur sanftes Plätschern am Bug, während Findus sich mit zwei Knoten den kleinen Belt südwärts schiebt. 

Vorbei am Leuchtfeuer „Helnæs“ geht es Richtung Lyø Krog. Hier sind deutlich mehr Boote unterwegs und mein Augenmerk kann nicht länger mit romantisch verklärtem Blick in die Ferne schweifen.

Helnæs
Lyø Trille

Lyø ist, wie es immer ist, bereits um die Mittagszeit vollkommen überlaufen. Ich war einmal bei Schlechtwetter und Sturm hier und habe seinerzeit einen überwiegend leeren Hafen vorgefunden. Heute bin ich froh, dass unser Ziel von Anfang an ein anderes ist.

Küste von Knolden

Wir schlängeln uns kreuz und quer und durch die Betonnung in den Fåborg Fjord. Vorbei an der kleinen Insel Bjørnø, deren Küste einladend und saftiggrün und doch unerreichbar daliegt. Die Tiefen im Hafen sind mit nur einem Meter angegeben. Bei 1,40m Tiefgang erscheint mir das dann doch nicht das Wahre.

Bjørnø

Ich nehme jetzt direkten Kurs in die Marina Fåborg. Wieder ist es unerträglich heiß. Der Hafen ist groß. Das Manövieren lässt hier viel Spiel und freie Plätze sind ausreichend vorhanden.

Sund in der City

Ein kurzer Bummel durch den Hafen, vorbei an der Werft bis hin zum östlichen Hafenbecken. Mehr schaffe ich nicht. Die Hitze fordert mich und ich bin froh den restlichen Nachmittag im schattigen Bauch meines Schiffes verbringen zu können.

Badestelle

Zurück in der dänischen Südsee wird mir jetzt wieder richtig bewusst, dass alles ein Ende hat. So schön es auch immer wieder ist, es kommt der Zeitpunkt, an dem es einfach vorbei ist. Man kann es nicht aufhalten und muss es nehmen wie es kommt. Kleine Schläge, wenig Weite. Dafür auf See. Auf eigenem Kiel einen Teil der gigantischen Wassermassen befahren. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass all das für mich möglich ist. Und doch habe ich in den letzten Jahren so vieles erreicht.

Und auch wenn es oft nicht den Anschein macht und sich eventuell undankbar anhören mag, ich bin ausgesprochen dankbar für die letzten Jahre.

Livemusik
PD

Gegen Abend ist es kühler und ich spaziere noch einmal von Hafen zu Hafen. Oldtimer stehen an jeder Ecke, eine Band spielt „Stand by me“ von Ben E. King. Die Atmosphäre ist emotional. Ich fühle mich wie in einer anderen Zeit und genieße diese etwas abseits des Menschen Getümmel.

Fischreusen
Kleine Gasse
Good night

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