18. Juli 2019
Weiter Richtung Norden

Die Sonne scheint bereits kräftig. Der Himmel ist blau. Das Wasser ist blau. Kattegat heute mal freundlich. Das ist gut, denn der Weg ist lang. Frachter, Fähren und Kreuzfahrtschiffe sind Richtung Øresund zu sehen. Sie werden ihr Ziel bald erreicht haben. Die See ist ruhig.

Die Kinder schlafen noch. Es ist still an Bord. Ich bin seit über einer Stunde unterwegs. Das Boot ist noch feucht vom Morgentau. Es weht kein Lüftchen, Flaute von allen Seiten. Harry und Heinrich übernehmen heute. So verstaue ich in aller Ruhe Festmacherleinen, Fender und Reste an Kleidung und Handtüchern vom Vorabend. Zwischendurch immer wieder einen Blick auf den gesetzen Kurs. Passt. Auf Heinrich ist Verlass. Ausschau nach Fischernetzen, Reusen und entgegenkommenden Schiffen. Alles perfekt. Dazwischen erstmal ’nen Kaffee.

An der Spitze von Kullen erhebt sich auf 78 Metern der Leuchtturm. Beeindruckend die Felswand darunter. Gigantisch erhebt sie sich aus dem Wasser. Es sieht schön aus.

Alt, urig, stark. Nordöstlich liegt Åsen, die Küstenlinie liegt noch im stillen Nebel.

Mittlerweile sind aber doch ein paar Boote unterwegs. Schnelle Motoryachten, große Segler von denen man in der Ferne nur den nackten Mast erkennt. Auch sie Motoren heute. Das Kattegat ist spiegelglatt.

Erwähnte ich schon, wie sehr ich diese endlose Weite liebe. In blau und freundlich sogar noch viel mehr. Ich kann mich einfach nicht satt sehen. Da draußen liegt das pure Glück. Aus irgend einem Grund fange ich an unentwegt mir unbekannte Melodien vor mich hin zu pfeifen. Ich denke ich bin zufrieden.

Mittlerweile bin ich auf Position 56°40,1’N, 012°28,9’E. Die Sonne brennt jetzt stark auf mich herab. Sie umarmt mich mit ihren warmen Strahlen und schenkt mir zusätzlich Geborgenheit. Seit 5 Stunden und 45 Minuten sind wir unterwegs und haben bis hier her 31 Meilen geschafft.

In der Ferne erkennt man vereinzelt weiße Dreiecke am Horizont. Durchs Fernglas betrachtet dienen diese Segel nur der besseren Erkennbarkeit. Sie hängen so müde am Mast, dass sie ihre Eigner so kaum voran bringen können. Auf schwedischer Seite motoren zwei Masten mit dickem Rumpf. Sonst ist das traumhaft ruhige und blaue Kattegat ausgestorben.

Viel zu schnell kommt die Westküste Schwedens immer dichter. Traumhafte sechseinhalb Stunden liegen hinter mir. Bald wird es vorbei sein. Für heute. Aber ich genieße die letzten Meilen, indem ich einfach nach West gucke. Dort drüben irgendwo ist Dänemark. 60 herrliche Meilen entfernt. Aber das ist ein anderes Kapitel….

Hier, im Lövstavikens Båtförening, ist es ruhig. Hier gibt es nichts. Wirklich nichts. Und das ist gut so. So kann ich den Tag ausklingen lassen und in Gedanken alles noch einmal erleben.

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