11. Juli 2026
Flaute im Leben

Was nach Vergnügen und Luxus aussieht, ist in Wahrheit der klägliche Versuch, mich selbst nicht zu verlieren. Private Sorgen, Existenzängste und ein viel zu lange andauernder emotionaler Herzschmerz setzen meinem Leben aktuell zu. So gern ich auch meine einstige Lebensfreude zurück haben möchte, es gelingt mir einfach nicht. Jede Bemühung endet in letzter Zeit doch wieder im Gefühlschaos und lässt mir nur wenig Raum für meine persönliche Entwicklung.

Findus ist gerade eine bisschen meine letzte Hoffnung. Mein Boot war schon mehr wie einmal in der Lage, mich aus meinem Tief heraus zu ziehen und mir, wie auch in der Vergangenheit schon so oft , neuen Mut und neue Energie zu schenken.

Eigentlich müsste ich arbeiten, doch ich kann einfach nicht mehr und habe mir spontan frei genommen. Ich muss einfach weg und mich um mich selbst kümmern. Was für ein Glück, was für ein Geschenk, dass ich das einfach so machen kann. Ich gehe kurz in mich und bin dankbar. Ja, ich bin wirklich dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir doch immer wieder bieten. Viel zu oft und im Stress des Alltags übersehe ich diese kleinen Stellschrauben und erst wenn ich dann wieder einen kleinen Schritt auf mich und meine eigenen Bedürfnisse zurück gehe, bin ich der Lage diese kleinen Geschenke zu sehen.

In diesem Sommer ist es jedoch nicht ausschließlich nur meine persönliche Lage, die ein seglerisches Problem für mich darstellt. Auch der Wind ist irgendwie unberechenbarer wie die Jahre zuvor. Ich bin nicht die einzige, der das auffällt, denn auch von flüchtigen Bekannten und Stegnachbarn höre ich immer wieder, dass der Wind aktuell einfach Mist ist. Entweder es ist mehr Wind wie angesagt oder es herrscht Flaute. „Bleib bloß zu Hause“, schrieb mir jüngst ein befreundetes älteres Segelpärchen, was sich den Sommer über in der näheren Umgebung an Bord aufhält. Sie kommen auch nicht so richtig vom Fleck und die Zeiten der sportlichen Kämpfe gegen Wind und Welle sind für sie vorbei.

Mir geht es irgendwie ähnlich. Zwar bin ich um einiges jünger wie die beiden, doch zwanzig bin ich nun mal auch nicht mehr. Und auch ich habe keine Lust auf tosende Wellen und kreischenden Wind. Kämpfe fechte ich an Land genug aus. Hier draußen möchte ich Stille. Eine Stille, die mir den Weg zu mir selbst ebnet und mich atmen lässt.

Ich habe nicht selten den Eindruck, und hin und wieder ist es mir auch persönlich beinahe wie ein Vorwurf zu Ohren gekommen, dass „Schön-Wetter-Segeln“ nicht ernst genommen und eher spöttisch belächelt wird. Es gab daher eine Zeit, da wollte ich mich beweisen. Ich wollte zeigen, dass ich „es drauf“ habe und natürlich stark genug bin, um alleine bei Wind und Welle mit meinem Schiff gegen die Elemente zu trotzen. Doch wozu eigentlich? Wem will oder muss ich da denn was beweisen? Wem, außer mir, muss ich zeigen was ich kann? Genau. Niemanden.

Heute genieße ich einfach die mich umgebene Flaute und bin froh darüber, dass ich mich und mein eigenes System runterfahren kann.

Die wärmende Sonne, das glitzernde Wasser des Lillebælts, die sanfte See und der in verschiedenen Blautönen leuchtende Himmel über mir und bis zu Horizont reichend, geben mir recht mit dem, was ich hier mache. Ja, ich liebe es bei wenig Wind unterwegs zu sein, meinen Gedanken folgen zu können und dabei den Blick in die Ferne schweifen lassen zu können.

Ich erreiche Skjoldnæs. Die Nordspitze Ærøs ist für mich das Tor zur dänischen Südsee. Ab hier umgibt mich zwar wieder mehr Land, doch anders wie die Jahre zuvor begrüße ich die grünen Landstreifen der hiesigen Inseln.

Mein Ziel ist Faaborg. Groß genug um immer einen Platz mit meinem kleinen Schiff zu finden und doch ruhig gelegen, um abends die Stille zu genießen. Ich ziehe die innen liegende Marina grundsätzlich dem Stadthafen vor, wobei ich gern einen Abstecher in die Fußgängerzone der City mache und hier und da die Gegend erkunde.

Fürs Erste hat Findus gehalten, was ich mir erhofft habe. Nur ob ich das festigen und mitnehmen kann, da bin ich mir noch nicht so ganz sicher.

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