Im ersten Winter, vor genau zehn Jahren jetzt, habe ich die Außenwände sämtlicher Kojen von innen mit einer Art Isomatte isoliert und der Optik wegen mit grauem Nadelfilzteppich verkleidet. Feuchtigkeit hatte ich nie und auch mit Schimmel und Stockflecken gab es nie Probleme. Es hätte im Bug auch bis heute gehalten, so wie es das im Rest des Schiffes ja auch macht, wenn ich seiner Zeit das Deck von außen besser gekannt hätte. Doch eine verdeckte und von mir nicht weiter in Augenschein genommene Reparatur der Backbordklampe hat mir bereits vor einigen Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einem der Voreigner muss sie mal rausgerissen sein und statt das Deck darunter ordentlich in Stand zu setzen, wurde das Balsa und GFK unter der Klampe mit einer Portion Sikaflex aufgefüllt und ersetzt.

Es war nur eine Frage dercm Zeit und irgendwann hielt dieses Provisorium den neuen Belastungen und Bewegungen, denen Findus nun ausgesetzt war, nicht mehr stand und Regenwasser suchte sich seinen Weg ins Innere meines Schiffes. Feuchtigkeit an der Verkleidung war die Folge und ich musste, um an die Konterschrauben der befestigten Klampe zu kommen, den Teppich und die Isolierung entfernen. Unschön sah es seither aus und zu müffeln begann es nun auch.

Also muss alles neu. Ich möchte es schön haben an Bord und gemütlich. Viel zu lange habe dieses Refit bereits vor mich hergeschoben, doch jetzt, in einem plötzlichem Anfall von Tatendrang, habe ich eher spontan und mit etwas Wut in mir die alte Verkleidung begonnen anzureißen.

Händisch komme ich hier jedoch nicht weiter. Den Teppich konnte ich noch nahezu im Ganzen runterziehen, doch die Isolierung reißt immer wieder unter der festhaltenden Klebemasse ein. Ich brauche ich den Elekrospachtel. Doch nun versagt mein Landstrom auf einmal. Kurz ist er da, doch mitten in der Arbeit ist vorbei. Erst denke ich noch, das Geld auf der Stromsäule sei vielleicht aufgebraucht, doch dem ist nicht so. Ein kurzer Blick auf meinen Batteriemonitor verrät jedoch, dass da kein Strom an Bord ankommt. Auch das Ladegerät bleibt dunkel. Bereits einige Male ist mir schon aufgefallen, dass es leicht zischte und knisterte, sobald ich die Kupplung in den Stecker an Bord geschoben hatte. Die zwei Männchen im Stecker wollen nicht mehr. Leicht angeschmurgelt sehen sie aus und funktionieren nun nur noch sporadisch.

Also musste ich aus den Tiefen der Salonbänke das entsprechende Adapterkabel raussuchen und den Strom ohne das Ladegerät direkte von CEE auf Schuko anschließen, damit ich wenigstens im Bug weiter arbeiten kann. Um die Landstromübernahme und seine Wehwehchen kümmere ich mich dann später.

Der Kleber hält bombenfest. Zwar bekomme ich die Isomatte wunderbar mit dem Elektrospachtel ab, doch der Kleber ist zäh und sitzt fest am GFK.

Da beim Abziehen des Teppichs bereits Stücke der Isolierung mit rausgerissen sind, erübrigt sich auch die Frage, warum ich nicht nur den Teppich neu mache. Nein, es nützt nichts, alles muss ab.

Ich überlege noch, wie sauber ich alles haben möchte, doch die Hartnäckigkeit des Klebers überzeugt mich am Ende dann doch und ich lasse ihn einfach haften. Es kommt ja ohnehin derselbe wieder drauf. Nur die Kanten bearbeite ich etwas genauer, da sich hier in den schmalen Ritzen durch die durchgeronnene Feuchtigkeit doch mittlerweile etwas Schimmel abgesetzt hat. Mit Schimmelspray und Drahtbürste bekomme ich ihn weg und so steht der Neuisolierung nichts mehr im Wege.

Zum Glück hatte ich vor Jahren mal ein paar Rollen der Isomatten auf Vorrat gekauft, denn aktuell gibt es sie so nicht mehr weder im Handel, noch im internet zu kaufen. Das es unterschiedliche Farben sind stört mich wenig, schließlich kommt der Teppich ja wieder drüber.

Der Himmel ist schnell verklebt. Zuhause hatte ich ihn schon grob zurecht geschnitten und an Bord dann noch weiter angepasst. Meine Vorschiffkoje ist nicht hoch und so arbeite ich im wahrsten Sinne mit Händen und Füßen und dank der Intensität des PVC und Teppich Klebers hält der Teppich beim ersten Andrücken.

Zwischenzeitlich war der Kleber leer und ich musste einen zusätzlichen Eimer besorgen. Doch ich habe einen falschen Kleber gekauft. Ohne genau zu lesen, was in dem Eimer ist, hatte ich nur flüchtig auf das Bild und die Worte PVC und Teppich geachtet und dabei überlesen, dass es sich um eine Fixierung , nicht um einen Kleber handelt. Ich denke beim Spachteln noch, warum die Konsistenz so anders ist, doch auch jetzt lese ich nicht nach, was ich da eigentlich gekauft habe. Zu flüssig, nicht haftend und komisch riechend und trotzdem arbeite ich bis zum Ende. Ich habe schon gar keine Lust mehr, wie ich dann doch irgendwann feststelle, dass ich hier einen Fehler gemacht habe. Es nützt also nichts. Die Seiten kann ich so nicht lassen. Der Teppich ist durch, rutscht von der Isolierung und bevor mir diese auch noch kaputt geht und ich keine neue mehr bekomme, muss ich kurzerhand wenigstens den Nadelfilz entsorgen und wohl oder übel einen neuen Eimer mit dem richtigem Kleber und auch neuen Teppich für die Seitenwände kaufen.

Auch wenn es mich ärgert, dass ich hier mal wieder nicht richtig konzentriert bei der Sache gewesen bin, sie habe ich doch immerhin Glück, dass es nach den ganzen Jahren, den Teppich noch in genau der Farbnuance gibt. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn das Grau nun ein anderes gewesen wäre.

Das Endergebnis kann sich sehen lassen. Meine Bugkoje ist wieder wie neu und ich freue mich jetzt schon, wenn ich es mir darum gemütlich machen kann. Doch damit wird es noch einige Zeit dauern.
Findus hat Wartungsstau und vorerst wird nicht mehr gesegelt. Ich muss was schaffen, bevor es zu kalt wird für noch anstehenden Arbeiten.

Vorerst wird Findus zur Abstellkammer. Ich muss das gesamte Schiff umräumen, um an die nächste Baustelle zu kommen. Und dann plötzlich fühle ich mich unendlich alleine mit dieser Aufgabe, die da auf mich zu kommt. Ich weiß eigentlich überhaupt nicht, wie ich das machen soll. Weder habe ich professionellen Hintergrund, noch Menschen mit jenem in meinem Umfeld. Von außen wird keine Unterstützung kommen, finanzielle Mittel für offizielle und fachkundige Gewerke habe ich nicht. Ich kann es drehen und wenden wie ich will. Ich muss auch hier mal wieder irgendwie alleine durch.


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